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Grüne interessieren sich für Berliner Schwulenstrich

Wird der 'Berliner Kiez' rund um die nördliche Eisenacher Straße immer kriminieller? Der Grüne Bezirksverordnete Marius Feldkamp behauptet das zumindest, sieht Sexarbeiter aus dem Migranten-Millieu dafür verantwortlich und vermutet mögliche Verstrickungen in Strukturen organisierter Kriminalität.

Erst seit dem 27. Oktober letzten Jahres ist der 23-jährige Marius Feldkamp Bezirksverordneter in Tempelhof-Schöneberg und hat sich schon der Berliner Stricherszene gewidmet: Im Rahmen einer Kleinen Anfrage wollte er von Bezirksbürgermeisterin Schöttler wissen, wie sich die Anzahl von Straftaten mit Bezug zur Sexarbeiter-Szene seit dem Jahr 2006 im Kiez rund um die nördliche Eisenacher Straße entwickelt habe, welche Art von Straftaten besonders häufig vorkommen würden und wie hoch die Dunkelziffer nicht angezeigter Straftaten wäre. Zudem fragt er nach möglichen Hinweisen auf Verstrickungen der Sexarbeiter-Szene in Strukturen organisierter Kriminalität und eventuelle Forderungen der Polizei nach verstärkten präventiven Lösungsansätzen. Dass er für die Zunahme der Straftaten jugendliche Migranten verantwortlich sieht, zeigt die Frage 8 der Kleinen Anfrage: "Welche Sprachkenntnisse wären für die Arbeit mit den Betroffenen sachdienlich und welche sind bei den Streetworker/innen vorhanden?"

Maneo, das schwule Anti-Gewalt-Projekt in Berlin, widerspricht jedoch den Vermutungen des Grünpolitikers: Demnach ließe sich die Berliner Stricherszene keinesfalls eindeutig lokalisieren und könne sich durchaus auch mit allgemeinen Szeneorten durchmischen. Zwar gebe es Orte, die als Stricherszene erkennbar wären - zum Beispiel eine Stricherbar, das eindeutige Dating-Portal oder der Bahnhof Zoo -, es gebe jedoch auch Orte, die für den gewöhnlichen Szenebesucher nicht erkennbar wären und wo Stricher und Freier, wenn diese als solche erkennbar sind, des Ortes verwiesen würden. Zudem wären Tatausgangspunkte und Tatorte nicht immer identisch, begangene Straftaten daher der Sexarbeiter-Szene schwer eindeutig zuzuordnen.

Das Landeskriminalamt will trotz lageangepasst durchgeführter Präsenzstreifen 'keine Hinweise auf signifikante Veränderungen im Kiez um die nördliche Eisenacher Straße seit dem Jahr 2006' haben. In der Straftatendatei werden zudem keine Merkmale zur Sexarbeiter-Szene erfasst, wodurch auch keine statistischen Angaben zu derartigen Straftaten möglich wären.

Auch dem Jugendamt liegen keine Erkenntnisse bzw. Meldungen vor, welche weiteren Formen von Gewalt sich im Anschaffungsmilieu entwickelt haben. Insofern könne auch eine Einschätzung in Bezug auf gewaltpräventive Maßnahmen nicht vorgenommen werden. Zudem bestehe aktuell kein Anlass, einen eventuellen Einsatz zur Jugendarbeit (Streetworking) im Bereich der nördlichen Eisenacher Straße zu prüfen: Unbetreute Jugendliche, die mit Freizeitangeboten und Jugendhilfe zu erreichen wären, scheinen sich nach Einschätzung des Jugendamtes nicht regelmäßig in diesem Gebiet aufzuhalten.

Einzig mit seiner Vermutung, dass es sich bei den Strichern vorwiegend um Migranten handelt, dürfte Feldkamp richtig liegen: Nach Auskunft von Subway, dem Projekt 'für Jungs, die unterwegs sind und anschaffen', seien 'derzeit vermehrt rumänische und bulgarische junge Männer im Abschnitt nördlich der Eisenacher Straße anzutreffen, weshalb die Streetwork von Subway zumeist auch durch 'Kulturmediatoren' begleitet werde.

Somit hat die Kleine Anfrage des Grünpolitikers doch noch ein essentielles Ergebnis gebracht: Oder hätte jemand vorher gewusst, was 'Kulturmediatoren' sind?

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